
Dieses Jahr ging es für die deutsche Mannschaft zu unseren Langhaarfreunden nach Tschechien. Jiri Kec hat mit seinem Team eine anspruchsvolle, sehr traditionelle Internationale VGP auf die Beine gestellt. Hierfür ergeht ein riesiges Waidmannsdank, wir haben uns sehr wohl gefühlt. Die Stimmung war prächtig. Doch jetzt mal der Reihe nach.
Am Freitag beginnt die Prüfung mit der tierärztlichen Untersuchung der Hunde, der Identitätskontrolle und der Anmeldung. Der erste spannende Moment: sicher die Auslosung der Gruppen. Die Lose 5, 6, 7 und 8 entscheiden, dass alle deutschen Führer in einer Gruppe sind.
Am Samstag früh am Morgen dann die feierliche Eröffnung mit allen 12 Gespannen aus Tschechien, Österreich und Deutschland. Das ist schon ein überwältigendes Bild, wenn die Führerinnen und Führer der jeweiligen Nation mit dem Hut vor der Brust den Begrüßungsworten lauschen, aus dem Rund treten und sich und ihren Hund vorstellen. Spätestens jetzt merkt jeder, dass hier ein etwas anderer Wind weht, als bei einer deutschen VGP. Eine Dolmetscherin sorgt für sehr gutes Verständnis, bei allen die der tschechischen Sprache nicht ganz so mächtig sind.
Jetzt geht's los
Die einzelnen Gruppen machen sich auf in die Reviere. Am ersten Tag stehen Feld und Wasser auf dem Prüfungsplan. Die ersten Arbeiten der deutschen Mannschaft mit Federwildschleppe und freiem Verlorensuchen von Haar- und Federwild sind kurz vor Mittag bestens gemeistert. Gestärkt nach einer Mittagspause an einer urigen Forsthütte bei Sonnenschein und blauem Himmel geht’s ans Wasser.

Da geht es streng zu
Petr Buba als Obmann macht deutlich, wieviel Wert auf korrektes Vorstellen, sich zur Arbeit melden und „strammstehen“ gelegt wird. Mit so mancher Kopfbedeckung, die nicht nach Hut aussieht, ist er gar nicht zufrieden: „Hut gehört zum Jäger, nicht Mütze für Fußball“.

Das erste Fach und absolutes Neuland für unsere Führer: der Hund soll Wasserfreude zeigen, indem er sofort ohne Zögern das Wasser annimmt und geradeaus auf einer riesigen Wasserfläche schwimmt. Dann muss gezeigt werden, dass er sich nach links und rechts lenken lässt. Alle kommen gut durch, wenn auch ein paar Federn gelassen werden.

Das Verlorenbringen der Ente aus deckungsreichen Gewässer ist nicht einfach, der Wind dreht und das wird leider einem Gespann von uns zum Verhängnis. Die Ente wird im Zeitlimit von 10 Minuten nicht gefunden. Somit ist dieses Gespann nicht mehr in den Preisen. Es muss weitergeführt werden, auch wenn man durchgefallen ist. Eine Glanzleistung, da einfach weiterzumachen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken, richtig toll gemacht, lieber Dirk. Die restlichen drei Führerinnen und Führer haben am Wasser mehr Glück und sind noch in den Preisen. Auf die Art des Bringens und das korrekte Ausgeben wird bei dieser Prüfung penibel Wert gelegt. Sitzt der Hund schräg vor einem oder kommt nicht auf dem direkten Weg – Punktabzug. Es wird nach einem 4-Punkte System gerichtet.
Hier geht's zur Sache
Weiter geht es im Feld mit „Gemeinsame Jagd“ ein Höhepunkt ohne Wenn und Aber. Böhmische Streife, mit allen vier Hunden der Gruppe, mit Richtern und mindestens fünf Flintenschützen. Die Hundeführer schießen nicht selbst. Es muss Wild vor den Hunden erlegt werden. Der Ablauf: Alle vier Hunde müssen in einer Breite von 80 – 100 m vor ihren Führern gleichzeitig suchen und dürfen sich gegenseitig nicht stören. Sie müssen dabei unbedingten Gehorsam am Haar- und Federwild zeigen und erlegtes Wild bringen. Es ist schon ein Genuss die Hunde beim Vorstehen und Nachziehen zu sehen. Steht ein Hund vor, gehen die anderen Hunde bedingungslos ins Halt und nur dieser Hund arbeitet noch. Wenn der Fasan dann vom Führer herausgetreten ist, kann es schon sein, dass mehrere Schüsse fallen bis der Gockel dann vom Himmel fällt. Nach gezeigter Schussruhe bringt der Hund den Fasan. Ein Befehl, sollte der Hund beim Aufnehmen des Wildes nur kurz zögern, bedeutet das einen drastischen Punktabzug. Nimmt er nicht auf und bringt – ausgeschieden. Akribisch und streng wird die Suche, das Vorstehen, das Nachziehen, Bringen und besonders die Güte der Nase bewertet. Das Ende des ersten Prüfungstages. Die Hunde schlafen sehr gut und die Führer denke ich auch etwas besser, als in der vorigen Nacht.

Der zweite Prüfungstag: Waldarbeit
Erstes Fach ist traditionell Fuchs über Hindernis mit allen 12 Hunden und der ganzen Korona. Der Fuchs muss über einen Graben gebracht werden. Die Reihenfolge geht nach den Startnummern. Absolut feierlich, wie sich jeder Führer mit abgenommen Hut zur Arbeit am Fuchs bei der Richtergruppe meldet. Bei jeder vergebenen 4 wurde ein Signal mit einem Parforcehorn geblasen. Darauf folgt Standtreiben mit 10 Minuten Dauer und vier Schüssen für jeden Hund. Freies Verlorensuchen von Fuchs, Stöbern und Buschieren.
Nun geht es zur berüchtigten „tschechischen Pirsch“ und direkt im Anschluss zur Schweißarbeit. Der Abschluss der Prüfung sind die Fuchs- und die Haarwildschleppe. Die Haarwildschleppe von Hanni vom Freijäger mit ihrer Führerin Bianka Tauber war der Abschluss dieser Internationalen in unserer Gruppe. Die Zuschauer und Führer applaudieren und liegen sich danach mit Glückwünschen in den Armen.

Ein ganz besonderes Erlebnis
Die Prüfung in Tschechien hat gezeigt, wie toll und wundervoll Teamgeist sein kann, jeder fiebert mit dem anderen und jeder fühlt auch mit, wenn es gerade nicht so gut läuft. Ein riesiges Dankeschön an Euch, Clara Schmieg mit Fee III von Buchheim, Bianka Tauber mit Hanni vom Freijäger, Uwe Wilde mit Indy vom Holdergrund und Dirk Wacker mit Camillo vom Witten Sand. Besonders hat uns gefreut, dass wir die Preise für die beste Feldarbeit für Fee III von Buchheim mit Clara Schmieg und die beste Wasserarbeit für Indy vom Holderdrund mit Uwe Wilde nach Deutschland geholt haben. Ein kräftiges Waidmannsheil euch vieren zu Eurer Leistung, und wie Ihr das Ursprungsland unserer Rasse vertreten habt.


Ein herzliches Dankeschön
Vielen herzlichen Dank an Ines Bosse, die den DL-Verband vertreten hat und ihren Mann Christian. Keine Sekunde sind die beiden während der Prüfung von ihrer Mannschaft gewichen. Als Macher unterstützten sie im Hintergrund mehr als perfekt. Dir liebe Annika danke für die tollen Fotos und Deinen Einsatz als Aufklärer bei Unklarheiten. Ein weiteres Dankeschön an Uwe Wilde, der seinen „fahrbaren Kiosk“ mit sämtlichen Leckereien und Getränken, ganz selbstlos mit uns geteilt hat.

Wir haben uns sehr gefreut, Menschen, die für Deutsch-Langhaar leben, der anderen Nationen kennenlernen zu dürfen und neue Kontakte zu knüpfen. Es ist wichtig für unsere Rasse, das auch in jüngeren Generationen weiterzuführen und weiterzuleben.
Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr in Österreich und zur 60. Internationalen VGP 2028 in Deutschland
Sebastian Meixner
Ergebnisse der Deutschen Mannschaft:
3. Platz: Fee III von Buchheim 462 Pkt. II. Preis mit Clara Schmieg
6. Platz: Indy vom Holdergrund 428 Pkt. II. Preis mit Uwe Wilde
7.Platz: Hanni vom Freijäger 425 Pkt. II. Preis mit Bianka Tauber
Camillo vom Witten Sand 387 Pkt. mit Dirk Wacker
Suchensieger: Letty z Dorytky 483 Pkt. I.Preis mit Jiri Hala aus Tschechien
Beste Waldarbeit wurde an Mag. Harald Bauer mit Galileo vom Waldviertler Forst 453 Pkt. II. Preis nach Österreich vergeben
Insgesamt wurden zwei I.Preise, fünf II,Preise und drei III.Preise vergeben.
Nationenwertung:
Tschechien: 1832 Pkt.
Österreich: 1742 Pkt.
Deutschland: 1702 Pkt.
Deutsch-Langhaar-Verband e.V.