Züchtertagung/Bzhs

Auf dem Rodderberg in Niederbachem bei Bonn drehte sich zwei Tage lang alles um den Deutschen Langhaarigen Vorstehhund.

Zum zweiten Mal hat der Deutsch-Langhaar-Verband auf Gut Broichhof zur Bundeszuchthundeschau eingeladen.  Bei herrlichem Sommerwetter trafen sich die DL-Freunde wieder in diesem einmaligen Ambiente hoch über dem Rhein. Ein ganz herzliches Dankeschön an Dirk Schneider, den Hausherrn der Reitanlage auf Gut Broichhof, für seine Gastfreundschaft und vor allem an Carmen und Christian Florack für die perfekte Organisation.

Los ging‘s am Freitagnachmittag. Zum ersten Mal hat der DL-Verband Züchter, Deckrüdenbesitzer und Zuchtwarte zu einer Züchtertagung eingeladen.  Langhaarfreunde  aus dem In- und Ausland sind angereist. Sie wollten sich diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen und wichtige Fragen rund um das Zuchtgeschehen diskutieren. Unter dem Motto „Zuchtfreigabe, was nun?“ gaben die Referenten einen umfassenden Überblick

  • worauf bei der Zucht und beim Einsatz von Deckrüden zu achten ist,
  • welche Formulare auszufüllen und wohin sie zu schicken sind,
  • welche Aufgaben die Zuchtberater haben,
  • was man aus tiermedizinischer Sicht wissen sollte und
  • was bei grenzüberschreitenden Anpaarungen nicht übersehen werden darf.

Der Zuchtberater – Leistungszucht aktiv mit gestalten

Andreas Wennemer, Mitglied der Zuchtkommission beim DL-Verband, stellte die Aufgaben der Zuchtberater vor. Er erläuterte, welche Qualifikation ein Zuchtberater mitbringen sollte und wie eine optimale Züchterbetreuung funktioniert. Er ging auf die Zuchtfreigabe ein und auf Kriterien, die den Zuchtausschluss bewirken können. Ein wichtiges Thema galt dann natürlich der Anpaarungsberatung. Nicht nur der Inzuchtkoeffizient ist ein grundlegendes Entscheidungsmerkmal für die Wahl des Rüden, sondern auch der so genannte Ahnenverlustkoeffizient (AVK). Zeigt der doch, wie eng oder weit die Genetik der gewünschten Paarung ist. Der AKV gibt an, wie viele Ahnen Rüde und Hündin gemeinsam haben. Viele gemeinsame Ahnen bedingen eine geringere genetische Bandbreite.

Deckrüden – mehr als nur starke Burschen

Im Vortrag von Wolfgang Dreyer, ebenfalls Mitglied der Zuchtkommission im DL-Verband, drehte sich alles um den Deckrüden und seinen Einsatz. Der Deckrüdenbesitzer muss einiges beachten. Er sollte sich auf jeden Fall vor dem Deckakt vergewissern, dass die Hündin auch zur Zucht zugelassen ist. Vor allem bei ausländischen Hündinnen könnte das ein Problem sein. Zu beachten ist auch die strikte Vorgabe über die Anzahl der Deckakte pro Jahr. In der Freude, einen gefragten Rüden zu stellen,  kann das leicht übersehen werden. Ein Deckrüde darf im ersten Jahr nur dreimal, später viermal im Jahr angepaart werden. Zur Sprache kam auch, was beim Deckakt alles dokumentiert werden muss und welche Daten in der Deckrüdenliste stehen sollten.

Läufigkeit – Deckakt – Wurf – nur keine Panik, Ruhe bewahren!

Carmen Florack, Tierärztin und Zuchtwartin beim Club Langhaar, beleuchtete die tiermedizinische Seite in der Zucht. Aus der Sicht der Zuchtpraxis ging sie auf alle Fragen ein von der Läufigkeit der Hündin über die Erkennung des richtigen Deckzeitpunktes bis zur Geburt und der Betreuung der Welpen in den ersten Lebenswochen. Eine wichtige Botschaft: Nicht gleich in Panik geraten, sondern den gesunden Menschenverstand einschalten, wenn einmal etwas nicht ganz nach Plan läuft.

Damit alles seine Ordnung hat

Karin F. Ehrhard, seit vielen Jahren Zuchtbuchführerin beim DL-Verband,  beantwortete die wichtigsten Fragen rund um den Eintrag ins Zuchtbuch. Heiß diskutiert wurden die Themen „ Zwingername“ und „ Zwingernamenschutz“. Karin Ehrhard empfahl eindringlich, den Zwingernamen unbedingt auch international beim F.C.I. schützen zu lassen. Möglich wird das über Friedhelm Röttgen, der das wiederum über den DL-Verband beim VDH beantragt. Außerdem wies Karin Ehrhard noch darauf hin, dass Zwingernamen, die Doppelnamen sind oder mehr als 25 Zeichen haben, nicht eingetragen werden können.

Grenzgänger –  Züchten im Ausland

DL-Präsident Leonhard Schmieg schließlich blickte in seinem Vortrag über die Grenzen und beleuchtete die Zucht mit Hündinnen oder Rüden aus dem Ausland.

Ein wesentlicher Punkt ist hier die Frage ob die Nachkommen einer solchen Anpaarung ins Zuchtbuch DL eingetragen werden sollen, oder im Ausland registriert werden.

Sollen die Nachkommen ins Deutsch Langhaar Zuchtbuch übernommen werden, müssen die Anforderungen der Zuchtordnung erfüllt sein.  Dies kann unter Umständen sehr aufwendig sein und ist nur über einen Antrag an die Zuchtkommission möglich. Aufgrund möglicher komplizierter Nachweisführung muss so ein Antrag mit langer Vorlaufzeit gestellt werden.

Werden die Nachkommen lediglich im jeweiligen Ausland dokumentiert läuft der ganze Vorgang über den Weltverband. Auf alle Fälle müssen Deckanfragen mit ausländischen Hündinnen vor dem Deckakt dem zuständigen Zuchtberater gemeldet werden.

Dabei sein ist alles

Im schattigen Biergarten, wohl versorgt mit kühlen Getränken und leckeren Wildspezialitäten vom Grill, wurden die Zuhörer mit vielen Praxistipps und wichtigen Informationen versorgt. Ein kurzer erfrischender Regenschauer machte auch die  Sommerhitze gut erträglich. Geboten waren eine rundum gelungene Veranstaltung, viele gute Gespräche und ein reger Meinungsaustausch. Allerdings hätten die kurzweiligen und spannenden Vorträge ein größeres Publikum verdient. Schade, dass nicht mehr Züchter, Deckrüdenbesitzer und vor allem Zuchtberater diese einmalige Gelegenheit genutzt haben, um sich fachlich wieder auf den neuesten Stand zu bringen.   

Perfektes Ambiente, bestes Wetter und viele wunderschöne Hunde

Am Samstag trafen sich dann die Langhaar-Freunde zur Bundeszuchthundeschau des Deutsch Langhaar-Verbandes, ausgetragen vom Club Langhaar. Die Reitanlage auf Gut Broichhof bot den perfekten Rahmen für die Veranstaltung. Das Jagdbläsercorps Rheydt sorgte für eine stilvolle Atmosphäre.

Punkt 10 Uhr begrüßte Zuchtwartin Carmen Florack die Hundeführer und viele Gäste aus dem In- und Ausland. Rund 60 Deutsch Langhaar verschiedener Farbschläge und Altersklassen waren auf den Broichhof gekommen. Sie wurden im Ring von den jeweiligen Zuchtberatern der Zuchtvereine vorgestellt. Im Mittelpunkt standen vor allem die bereits zur Zucht zugelassenen Rüden und Hündinnen. Neben den Leistungen der Hunde lag das Augenmerk auf ihrem jagdlichen Einsatz, auf ihren Stärken und ihren Wesensmerkmalen. Viele Züchter haben Zuchtgruppen zusammengestellt und präsentierten die Zuchthunde mit ihren Nachkommen. So konnte sich jeder Betrachter ein perfektes Bild von den einzelnen Linien machen.

Für Begeisterung sorgten nicht nur die hohe Qualität der typvollen Deutsch-Langhaar sondern vor allem auch das friedliche Nebeneinander der vielen Hunde in und um den Ring.   

Miteinander ins Gespräch kommen

Die Bundeszuchthundeschau bot auch heuer wieder die einmalige Gelegenheit, mit Langhaar-Freunden aus allen Zuchtgruppen ins Gespräch zu kommen und viele  Hunde kennenzulernen. Die Züchter konnten Deckrüden, die ihr Interesse geweckt hatten, direkt erleben. Viele nutzten diese Möglichkeiten. Das Zuchtschaubüro bot auch heuer wieder den Extra-Service, die Abstammungen der Hunde anzusehen und die Ahnentafel für geplante Anpaarungen, inklusive Inzuchtkoeffizient und Ahnenverlustkoeffizient auszudrucken. Auch das kam bei den Besuchern gut an und wurde gerne in Anspruch genommen. Schließlich konnten Züchter und Deckrüdenbesitzer ihre Hunde auch noch professionell fotografieren lassen.

Die Teilnehmer verabschiedeten sich mit dem guten Gefühl, zwei tolle Tage mit tollen Hunden erlebt zu haben. Ein herzliches Dankeschön an alle, die zum Gelingen dieser großartigen Veranstaltung beigetragen haben, allen voran dem Club Langhaar, Christian und Carmen Florack und natürlich dem Hausherrn der Reitanlage, Dirk Schneider.

 

Die Vorträge als Download

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